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  • Krebs und Ernährung Welche Rolle spielt Ernährung in Zusammenhang mit Krebs? Welche Auswirkungen hat unsere gängige Ernährung? Was wäre die richtige Ernährung? ... Diese und noch mehr Fragen werden in diesem Fokus-Thema beantwortet.



Hauptinhalte

Krebs und Ernährung

Univ.-Prof. Dr. Thomas Bauernhofer

Landeskrankenhaus-Universitätsklinikum Graz
Klinische Abteilung für Onkologie - Universitätsklinik für Innere Medizin

Auenbrugger Platz 15
8036 Graz
Steiermark

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Welchen Einfluss hat Ernährung auf die Entstehung von Krebs, aber auch auf den Verlauf einer akuten Krebserkrankung? Und was gilt heute als richtige Ernährung? Nicht unbedingt das, was gemeinhin als „gesunde Kost“ bekannt ist, räumt Univ.-Prof. Dr. Thomas Bauernhofer von der
MedUni Graz mit so manchem Irrglauben auf.

Welche Rolle spielt Ernährung in Zusammenhang mit Krebs?

An sich ist dieser Themenkomplex noch relativ wenig erforscht. Es gibt kaum Untersuchungen, ob die eine oder andere Diät Auswirkungen auf die Entstehung oder den Verlauf einer Krebserkrankung hat. Man weiß aber, dass Ernährung sowohl in der Prävention – also in der Vorbeugung nach einer bereits überstandenen Krebserkrankung – als auch während einer Krebstherapie eine große Rolle spielt. Wenn auch in durchaus unterschiedlicher Ausprägung.

Hintergrund sind Erkenntnisse, dass die Ernährung in der westlichen Welt potenziell negativen Einfluss auf die Entstehung von Krebs hat. Und zwar nicht nur die so genannte „ungesunde Ernährung“, sondern auch die als „gesund“ geltende Kost.

Die gängigen Ernährungskonzepte empfehlen, 50 % des Energiebedarfs mit Kohlenhydraten abzudecken, 30-40 % mit Fett und 10-20 % mit Eiweiß. Diese Zusammensetzung entspricht jedoch nicht dem, wie unser Körper ursprünglich angelegt ist. Der Mensch ist an sich ein „Kohlenhydrat-Mangelwesen“. Das bedeutet, wir können Zucker über sechs verschiedene Stoffwechselwege erzeugen, aber nur schwer wieder abbauen. Jenen Zucker, der nicht verbraucht wird, lagert der Organismus als Reserve ein. Unser Körper ist extrem ökonomisch und in seiner Konzeption auf „nicht verhungern“ ausgerichtet.

Diese Grundstruktur im menschlichen Erbgut hat sich seit der Steinzeit nicht verändert. Denn die Evolution denkt in Schritten von 200.000 Jahren, und es dauert extrem lange, bis eine Veränderung genetisch abgebildet wird. Folglich ist streng genommen – so sind Forscher wie beispielsweise Loren Cordain überzeugt – die steinzeitliche Ernährung die einzig „artgerechte Ernährung“ für den Menschen, da sich der menschliche Organismus im Laufe von Millionen Jahren an diese perfekt angepasst hat.

Welche Auswirkungen hat unsere gängige Ernährung?

Stark vereinfacht gesprochen, essen die Menschen in der westlichen Welt viel zu viel Kohlenhydrate und auch zu viel Milchprodukte. Beides sind heute Hauptnahrungsmittel, obwohl sie für die menschliche Biologie im Grunde nur eingeschränkt geeignet sind.

Der Körper speichert das Überangebot an Kohlenhydraten als Depotfett zunächst in der Leber ab, wo bis zu 800 g Fett eingelagert werden können. Zweitwichtigster Speicher ist das Bauchfellfett, in dem bis zu 2 kg vorgesehen werden. Und bis zu 8 kg deponiert der Körper in den Muskeln. Insbesondere das Bauchfellfett gilt jedoch als hoch inflammatorisch. Das heißt, es erzeugt viele Entzündungsstoffe, die dazu beitragen, dass das Gleichgewicht des Organismus gestört wird. Weiters kann durch den hohen Anteil an Kohlenhydraten in der üblichen „Zivilisationskost“ eine Insulinresistenz entstehen.

Außerdem essen die Menschen in unserer Lebenswelt mehr als drei Mahlzeiten. Das hat zur Folge, dass nach jeder Mahlzeit Insulin ausgeschüttet wird, um den Zucker zu verarbeiten, und dass der Körper wenig später wieder Hunger meldet. Verbunden mit kleinen Snacks zwischendurch kommen wir auf durchschnittlich 12 Insulin-Spitzen pro Tag.

Je nach genetischer Veranlagung mündet diese Ernährung entweder in metabolischen Erkrankungen (wie Bluthochdruck), Arteriosklerose, Diabetes, Autoimmunerkrankungen oder eben in Tumorerkrankungen. Die Ernährung ist also kombiniert mit der genetischen Veranlagung und anderen Lebensstilfaktoren (wie zu wenig Bewegung oder Rauchen) ein wichtiger Puzzlestein in der Entstehung von Krebs.

Ein paar markante Zahlen dazu: In den USA ist bereits jede/r dritte 15-Jährige insulinresistent, was zur massiven Fettleibigkeit der Amerikaner beiträgt. Und seit 2011 sterben erstmals in der Menschheitsgeschichte mehr Menschen an nicht-infektiösen Erkrankungen (wie Diabetes, Bluthochdruck, Krebs, etc.) als an Infektionskrankheiten wie Malaria, Tuberkulose oder Hepatitis B + C.

Was wäre die richtige Ernährung?

Die Vertreter der Paleo Ernährung, die diese Zusammenhänge intensiv untersucht haben, sprechen sich dafür aus, altes Wissen in Erinnerung zu rufen und sich an unseren Vorvätern, die Jäger und Sammler waren, zu orientieren.

Selbst wenn man es nicht ganz so streng nimmt, empfiehlt sich – im Gegensatz zu bisherigen Richtlinien – folgende Speisenzusammensetzung:

  • 20-25% Eiweiß (durchaus Fleisch, möglichst von artgerecht ernährten Tieren – Rind, Schwein, Huhn, Truthahn, Shrimps, etc.; Eier)
  • 40-50% Fett 
  • 25-30% Kohlenhydrate

Allein die Reduktion der Kohlenhydrate ist schon ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings darf man nicht alle Kohlenhydrate „in einen Topf werfen“. Glukose, Fruktose, Ribose und Laktose werden von unserem Stoffwechsel ganz unterschiedlich verwertet und lösen unterschiedlich viel Insulin-Ausschüttung aus. „Günstige“ Kohlenhydrate sind in Früchten enthalten, die leider bei uns nicht heimisch sind (Ananas, Papaya, Mango, Banane). Sie enthalten Ribose und können insulinunabhängig verwertet werden.

Ist unsere „gesunde Ernährung“ also nicht gesund?

Das was heute gemeinhin als „gesunde Kost“ gilt, ist diesen Erkenntnissen zufolge nicht ideal. Müsli, Vollkornbrot, viel Obst, etc. liefern zu viele Kohlenhydrate.

Ein einfacher Ratschlag lautet: Schränken Sie Brot und stärkehaltige Lebensmittel wie Kartoffeln, Reis, Mais und Nudeln ein. Und essen sie mehr Eiweiß wie Fisch, Fleisch und Eier. Denn Eiweiß hat einen thermischen Index von 1,4, das heißt, der Körper muss Energie investieren, um Eiweiß abzubauen. Bei Fett und Kohlenhydraten steht die gelieferte Energie 1:1 zur Verfügung.

Auch Fett ist wichtig, aber es sollten die richtige Fette sein – nämlich ungesättigte, Omega 3-Fettsäuren. Leider ist die klassische österreichische Küche nicht ideal. Aktuell liegt das Verhältnis zwischen Omega 6 und Omega 3-Fettsäuren in unserer Kost bei 15:1. Das Ziel wäre eine Verteilung von 3:1.

Welche Ernährungsempfehlungen gelten für Menschen mit einer Krebserkrankung?

Im Wesentlichen sind die gleichen Empfehlungen gültig. Einziger markanter Unterschied: Krebskranke sollten nicht zu viel an Omega 3-Fettsäuren zu sich nehmen. Denn die Tumorzelle benötigt Omega 3-Fettsäuren, um die Zellmembran zu bilden. Als Alternative raten Experten daher zu mittelkettigen Fettsäuren, wie sie z.B. in nativem Kokosöl (Virgin Coconut Oil) enthalten sind. Dies unterstützt den Tumor nicht in seinem Wachstum.

Univ.-Prof. Dr. Thomas BAUERNHOFER
Innere Medizin - Department für Hämato-Onkologie, Landeskrankenhaus Leoben