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  • Krebs und Rauchen Welchen Einfluss hat Rauchen auf die Entstehung von Krebs? Was genau bewirkt das Rauchen im Körper? Wie reagiert die OeGHO auf dieses Thema? ... Diese und noch mehr Fragen werden in diesem Fokus-Thema beantwortet.



Hauptinhalte

Krebs und Rauchen

Univ.-Prof. Dr. Hellmut Samonigg

Medizinische Universität Graz

Auenbruggerplatz 2
8036 Graz
Steiermark

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Rauchen ist die häufigste vermeidbare Todesursache in modernen Gesellschaften. Dennoch werden die Zusammenhänge oftmals zu wenig beachtet. Univ.-Prof. Dr. Hellmut Samonigg von der 

MedUni Graz gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema.

Welchen Einfluss hat Rauchen auf die Entstehung von Krebs?

Zahllose wissenschaftliche Studien und auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben nachgewiesen, dass Rauchen heute das bedeutendste einzelne Gesundheitsrisiko darstellt und Ursache für viele Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und nicht zuletzt Krebserkrankungen ist. 

Laut WHO1 sterben jedes Jahr rund fünf Millionen Mensch an den Folgen des Rauchens. Das bedeutet umgelegt auf Österreich, dass jede Stunde ein Mensch aufgrund des Aktivrauchens zu Tode kommt und alle acht Stunden jemand aufgrund des Passivrauchens verstirbt. Durch den direkten Zusammenhang zwischen Tabakkonsum und frühzeitiger Mortalität ist Rauchen somit die häufigste vermeidbare Todesursache in modernen Gesellschaften.

Lungenkrebs ist dabei nur eine der möglichen Folgeerkrankungen. Man weiß inzwischen, dass 18 verschiedene Krebsarten durch das Rauchen gefördert und schlussendlich ausgelöst werden. Und darüber hinaus spielt der Tabakkonsum auch für die Entstehung von Schlaganfällen, Herzinfarkten und anderen, zum Tode führenden schweren Lungenerkrankungen eine maßgebliche Rolle. Es gibt also ein Bündel bösartiger und nicht bösartiger Erkrankungen, die durch das Rauchen verursacht werden.

Was genau bewirkt das Rauchen im Körper?

Im Rauch sind mehr als 7.000 chemische Substanzen enthalten, von denen viele bereits als krebserregend (karzinogen) bekannt sind. Raucher inhalieren eine hochgiftige Mischung aus Karzinogenen und Giften wie Benzo(a)pyrene und andere polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, tabakspezifische Nitrosamine, Benzol, Formaldehyd, Kohlenmonoxyd und Zyanid, Acrolein und Polonium (ein radioaktives Karzinogen). Diese gasförmige Mischung enthält auch Mikropartikel, die in die Lunge oder zumindest in die oberen Atemwege eingesaugt werden. Über die innere Lungenoberfläche gelangen die Substanzen in die Kapillaren (kleinen Blutgefäße) und verteilen sich im gesamten Körper. Sie können daher nicht nur in der Lunge, sondern auch in der Niere, in der Harnblase, in der Gebärmutter, im Darm oder in der Bauchspeicheldrüse Krebserkrankungen verursachen.

Die Wissenschaft unterscheidet zwischen einem spezifischen und einem nicht-spezifischen Weg, wie Krebs im Körper ausgelöst wird. Der Hauptweg führt über genetische Veränderungen, die das Rauchen im genetischen Code (DNA) der Menschen bewirkt. Innerhalb von nur 15 Minuten können die im Rauch enthaltenen Gifte nachweislich – auch genetische – Veränderungen hervorrufen. Parallel dazu erhöht das Rauchen aber auch das Krebsrisiko, indem es beispielsweise chronische Entzündungen begünstigt.

Welche Auswirkungen hat das Passivrauchen?

Vor allem Kinder sind ganz massiv vom Passivrauchen betroffen. Und es ist zu wenig bekannt, dass Kinder, die sich in verrauchten Räumen aufhalten müssen, in einer Stunde so viele Schadstoffe aufnehmen als hätten sie selbst geraucht. Grob gesprochen entspricht eine Stunde in einem verrauchten Zimmer einer Zigarette. Folglich nehmen diese Kinder unweigerlich Schaden. Sie haben – wie in internationalen Studien belegt wurde – häufiger Asthmaanfälle, leiden öfters unter Entzündungen (wie z.B. Mittelohrentzündungen) und entwickeln ein höheres Risiko, an Bluthochdruck zu erkranken. 

In der Gastronomie ist der Nichtraucher-Schutz mit der aktuellen österreichischen Regelung nicht ausreichend gegeben. Wissenschaftler der Medizinischen Universität Wien konnten in Tests nachweisen3, dass in den so genannten Nichtraucher-Räumen eine unverändert hohe Belastung mit Ultrafeinstaub vorhanden ist. Die Konzentration an Partikeln beträgt immer noch fast 40% jenes Werts, der in Raucherlokalen oder Raucherräumen im Schnitt gemessen wurde. In reinen Nichtraucherlokalen liegt die Luftbelastung lediglich bei einem Achtel.

Wie steht es um die Aufklärung über die Folgen des Rauchens in Österreich?

Österreich belegt bedauerlicherweise hinsichtlich Nichtraucherschutz unter allen europäischen Ländern den letzten Platz4. Die vielfältigen Nachweise der schädlichen Auswirkungen des Rauchens werden nicht ausreichend berücksichtigt bzw. sogar ignoriert. Während in anderen Ländern längst der Zusammenhang zwischen effektivem Nichtraucherschutz und einem drastischen Rückgang der Raucherzahlen erkannt wurde, hinkt Österreich dramatisch hinterher. Die führenden Nationen Großbritannien, Irland, Island und Norwegen haben weitreichende Rauchverbote, hohe Tabakpreise, flächendeckende Nichtraucher-Werbekampagnen und auch Gesundheitswarnungen durch schockierende Bilder implementiert.

Nicht zuletzt dadurch ist auch die Zahl der durchs Rauchen verursachten Krankheiten in diesen Ländern rückläufig.

Ist durch strengere Antiraucher-Regelungen ein wirtschaftlicher Nachteil zu befürchten?

Eine Untersuchung des Instituts für Höhere Studien (IHS) konnte dieses – oft ins Treffen geführte – Argument entkräften5: Stellt man die Kosten des Rauchens den Einnahmen gegenüber, ergibt sich vielmehr ein volkswirtschaftlicher Verlust von 511,4 Millionen Euro pro Jahr. Als Kosten kommen dabei Aufwendungen innerhalb und außerhalb des Gesundheitssystems für medizinische Therapien, Krankengeld, Pflege, Invaliditätspension, erhöhte Krankenstände, Produktivitätsverlust für die Volkwirtschaft, etc. zum Tragen. Als „Aktiva“ werden Einnahmen aus der Tabaksteuer und dem Entfall von Alterspensionen durch den vorzeitigen Tod von Rauchern in die Rechnung einbezogen.

Es existiert also ein realer volkwirtschaftlicher Schaden, und dazu kommt ein Imageschaden für Österreich, das sich im Ranking der europäischen Staaten als Nachzügler erweist.

Der Appell der ExpertInnen-Initiative "DON'T SMOKE"

Österreich sollte dringend danach trachten, von der letzten Stelle beim Nichtraucherschutz in Europa zumindest ins Mittelfeld aufzurücken, und ähnliche Maßnahmen wie andere europäische Länder ergreifen – also beispielsweise einen flächendeckenden Nichtraucherschutz in den Lokalen, in allen öffentlichen Gebäuden und auch in den öffentlichen Bereichen außerhalb der Gebäude einrichten. 

Zur Website von DON'T SMOKE: www.dontsmoke.at

 

Gespräch zwischen Kurt Kuch (stellvertretender Chefredakteur von NEWS und Lungenkrebspatient) sowie Univ.-Prof. Dr. Hellmut Samonigg, Onkologe und behandelnder Arzt:

Video auf YouTube ansehen: Der Kampf gegen das Rauchen

Video auf YouTube ansehen: Rauchen - das Gesundheitsrisiko Nr. 1 

 

 

1  WHO Global Report; Mortality Attributable to Tobacco, 2012.

2 Samet JM, Gupta PC, Ray CS et al.; Tobacco smoking and smokeless tobacco use, 2007.

3 Neuberger M, Moshammer H, Schietz A. Exposure to ultrafine particles in hospitality venues with partial smoking bans. J Expo Sci Environ Epidemiol 23(5): 519-24; 2013

4 Joosens L, Raw M; The Tobacco Control Scale 2013 in Europe, 2013.

5 Pock M, Czypionka T, Neuberger M; Volkswirtschaftliche Effekte des Rauchens in Österreich und Einnahmen des Staates aus dem Zigarettenkonsum Minderjähriger, 2009.