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  • Krebs und Sport Welche Bedeutung hat Sport in Zusammenhang mit Krebs? Welche Auswirkungen hat körperliche Bewegung auf die Krebserkrankung? ... Diese und noch mehr Fragen werden in diesem Fokus-Thema beantwortet.



Hauptinhalte

Krebs und Sport

Prim. Univ.-Prof. Dr. Josef Thaler

Klinikum Wels-Grieskirchen - Einrichtung der Kreuzschwestern und Franziskanerinnen
Abteilung für Innere Medizin IV Schwerpunkte Hämatologie und internistische Onkologie, Nephrologie und Dialyse, Palliativmedizin und Remobilisation/Nachsorge

Grieskirchner Straße 42
4600 Wels
Oberösterreich

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Prim. Univ.-Prof. Dr. Josef Thaler ist in dieser Abteilung Abteilungsleiter.

Sollte man während einer Krebserkrankung auf körperliche Aktivität verzichten und sich schonen? Oder ist Sport sogar förderlich für den positiven Verlauf? In diesem Bereich kam es in den letzten Jahren zu einem tiefgreifenden Meinungsumschwung, berichtet Univ.-Prof. Dr. Josef Thaler vom Klinikum Wels-Grieskirchen.

Welche Bedeutung hat Sport in Zusammenhang mit Krebs?

Körperliche Bewegung bzw. Sport kann wesentlich dazu beitragen, einer Krebserkrankung vorzubeugen. Das wissen wir seit langem. Aber Bewegung hat auch bei einer bereits ausgebrochenen Krebserkrankung einen maßgeblichen Einfluss. In diesem Bereich ist es in den letzten Jahren zu einem tiefgreifenden Paradigmenwechsel gekommen. Während früher Krebspatienten geraten wurde, sich möglichst zu schonen, versuchen wir heute, die Betroffenen zu aktivieren.

Denn Bewegung stärkt die Gesamtkonstitution der Patienten, verbessert ihre Leistungsfähigkeit und reduziert Nebenwirkungen. Das gilt durch zahlreiche wissenschaftliche Studien als erwiesen – sowohl was das Mammakarzinom und das Prostatakarzinom betrifft als auch bei gastrointestinalen Tumore, Bronchuskarzinomen, Leukämien oder Lymphomen. Die körperliche Aktivität wirkt sich positiv auf die Lebensqualität aus, steigert das Körperbewusstsein und die Muskelkraft, lindert die typische Müdigkeit („Fatique“) und verringert Angstgefühle. Selbst Nebenwirkungen von Operationen oder von der Chemotherapie können durch maßvolle Bewegung positiv beeinflusst werden.

Außerdem konnte längst nachgewiesen werden, dass Bewegung während oder nach einer Krebserkrankung sicher durchgeführt werden kann – vorausgesetzt, es liegt keine Infektion oder andere Komplikation vor.
Ein spannendes neues Kapitel schlagen wir aber jetzt mit der Erforschung des Einflusses auf die Krebserkrankung selbst auf.

Welche Auswirkungen hat körperliche Bewegung auf die Krebserkrankung?

Einige Beobachtungsstudien zeigten, dass regelmäßige körperliche Aktivität nicht nur die Begleiterscheinungen mildert, sondern auch positive Effekte auf die Grunderkrankung hat – und zwar ganz konkret die Rückfallrate bei Brust- und Dickdarmkrebs senken kann. Die Studiengruppe ABCSG konnte in einer Pilotstudie (Phase II-Studie mit 30 PatientInnen) an sieben österreichischen Zentren wichtige Erkenntnisse gewinnen. So waren bei Studienpatienten, die ein Jahr lang ein Bewegungstraining nach Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie absolvierten, positive Effekte auf Leistungsfähigkeit, Körpergewicht und Lebensqualität messbar. Darüber hinaus wurden aber auch Auswirkungen auf biochemische Parameter wie Insulin oder insulinähnliche Wachstumsfaktoren (in der Fachsprache Insulin-like growth factors) festgestellt, die eine Rolle beim Tumorwachstum spielen.

Von diesen Beobachtungen ermutigt bereitet die ABCSG derzeit eine randomisierte Phase III-Studie mit 800 Dickdarm-PatientInnen vor, die Beweise für diese ersten Erkenntnisse liefern soll. Alle Patienten erhalten die aktuell beste Therapie, und die Hälfte durchläuft zusätzlich ein auf Herzfrequenz abgestimmtes, exakt zugeschnittenes Ausdauertraining. Um die Compliance, also das Dabei-Bleiben, zu fördern, werden unterschiedliche Sportarten angeboten – von Indoor- und Outdoor-Radfahren über Indoor-/Outdoor-Laufen oder Nordic Walking bis hin zu einem Training am Crosstrainer. Wichtig ist, dass die Patienten zumindest dreimal pro Woche ihr Programm machen und das Pensum langsam steigern.

Nach der Genehmigung durch die Ethikkommission soll die Studie Ende 2014 starten und insgesamt acht Jahre laufen. Fünf Jahre lang werden Patienten aufgenommen, und auch der letzte Patient wird drei Jahre beobachtet.
Dann werden wir hoffentlich mehr darüber wissen, wie sich körperliche Bewegung auf Insulin und insulinähnliche Wachstumsfaktoren, auf Hormone wie Östrogene, auf bestimmte Signaleiweiße im Fettgewebe und auf das gesamte Immunsystem auswirkt. Zudem liegen uns dann die entscheidenden Daten zur Entwicklung der Rückfallrate vor, die nach unserer Annahme durch Sport gesenkt werden kann.

Soll jede Patientin/jeder Patient während oder nach einer Krebserkrankung Sport betreiben?

An sich gilt die Empfehlung für alle PatientInnen. Weder Art der Krebserkrankung noch Alter oder viele andere Erkrankungen schränken dies grundsätzlich ein. Aber es wichtig, dass jede und jeder dies vor dem Beginn eines Trainingsprogramms mit ihrem bzw. seinem behandelnden Arzt abklärt und eventuell ein Aufbauprogramm mit einem Sportmediziner entwickelt. Das gilt vor allem, wenn die Grundfitness eingeschränkt ist.

Wie sollen KrebspatientInnen trainieren?

Maßgeblich sind die Regelmäßigkeit und die Art des Trainings. Es geht nicht darum, aus dem Stand heraus mit dem Laufen zu beginnen und wenig später einen Marathon zu absolvieren. Vielmehr sollte jede und jeder die zum ihm passende Sportart finden, die auf Ausdauer abzielt. Wir sprechen hier von aeroben Aktivitäten, bei denen das Miteinander-Sprechen noch möglich ist und die die Herzfrequenz anheben. Ideal sind flottes Gehen, Nordic Walking, Laufen, Radfahren oder Schwimmen. Und das mindestens dreimal die Woche. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt als Vorsorge fünfmal die Woche mindestens 30 Minuten. Das könnte auch in diesem Fall als Ziel angepeilt werden.

Mehr Informationen finden sich in einer Broschüre der Österreichischen Krebshilfe.

Prim. Univ.-Prof. Dr. Josef THALER
Abteilung für Innere Medizin IV, Hämatologie, internistische Onkologie und Palliativmedizin, Klinikum Wels-Grieskirchen