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  • Palliativmedizin Was ist Palliativmedizin? Bei welchen Erkrankungen wird die Palliativmedizin gebraucht? ... Diese und noch mehr Fragen werden in diesem Fokus-Thema beantwortet.



Hauptinhalte

Palliativmedizin

Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke

Universitätsklinik für Innere Medizin I - Medizinische Universität Wien
Palliativstation

Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien

+43-1-404004457
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„Wenn eine Krebserkrankung einmal nicht mehr durch Medikamente oder andere Therapien zurückgedrängt werden kann, ist das noch nicht das Ende aller medizinischen Bemühungen. Es gilt vielmehr für die verbleibende Lebenszeit die Qualität des Lebens so hoch wie möglich zu halten", sagt Univ. Prof. Watzke.

Was ist Palliativmedizin?

Palliativmedizin (palliare = umhüllen)  ist die multiprofessionelle Betreuung von schwerstkranken Patienten mit einem fortgeschrittenen Leiden, für die eine Heilung nicht mehr möglich ist. Sie erfasst und behandelt jeden Patienten nicht nur in seinem körperlichen Leid, sondern auch hinsichtlich seiner psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse.  Palliativmedizin geht auf die ehemalige Krankenschwester und spätere Ärztin Cicely Saunders zurück, die sich, ausgehend von der intensiven Pflege eines jungen, sterbenden Krebspatienten in England speziell der Betreuung solcher Patienten verschrieben hat. 

Bei welchen Erkrankungen wird die Palliativmedizin gebraucht?

Obwohl prinzipiell alle nicht mehr heilbaren Patienten unterschiedlichster Erkrankungen in das Betreuungsspektrum der Palliativmedizin fallen, sind es doch vorwiegend Krebspatienten, die in solchen Einrichtungen behandelt werden. Dies ergibt sich aus dem besonderen Krankheitsverlauf von unheilbaren Krebserkrankungen. Diese verursachen am Erkrankungsbeginn wenig körperliche Beschwerden, auch wenn sie eine existenzielle Bedrohung darstellen. Häufig verringern sich diese Beschwerden auf Grund wirksamer Krebstherapien. Kehrt die Krebserkrankung zurück und kann sie dann nicht mehr weiter zurückgedrängt werden, treten starke körperliche Beschwerden auf, die von großen psychischen, sozialen und spirituellen Problemen begleitet werden. In dieser Situation stellt die Palliativmedizin ein wirksames Betreuungskonzept dar.

Wo wird Palliativmedizin angeboten?

In Österreich wird Palliativmedizin in stationären und ambulanten Einrichtungen angeboten. In den stationären Einrichtungen wird zwischen Hospizen und Palliativstationen unterschieden. Hospize sind außerhalb von Akutkrankenanstalten, zum Beispiel in Pflegeanstalten, angesiedelt und begleiten Patienten bis zum Tod. Palliativstationen hingegen sind in Akutkrankenanstalten verortet und sollen durch spezielles Wissen diese Krebspatienten soweit verbessern, dass eine Entlassung nach Hause möglich ist. Dabei kann nicht mehr auf ein Zurückdrängen der Krebserkrankung zurückgegriffen werden, da die Möglichkeiten dafür ausgeschöpft sind. Es wird somit darauf geachtet, durch gute Behandlung der körperlichen, psychischen, sozialen und spirituellen Beschwerden und Probleme die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Hospize und auch Palliativstationen verstehen sich als Begleiter im Sterben und niemals als Helfer zum Sterben. Nicht durch die Hand, sondern an der Hand eines Menschen sollen Patienten sterben können. 

Wann im Krankheitsverlauf ist Palliativmedizin notwendig?

Zu Beginn einer Krebserkrankung sind die körperlichen Beschwerden, die zur Diagnose führen, außerordentlich gering und nehmen Dank der modernen medizinischen Maßnahmen, die gegen die Krebserkrankung eingeleitet werden wie Operation, Chemotherapie oder Strahlentherapie auch nach Therapiebeginn deutlich ab. In dieser Phase sind die Nebenwirkungen der Behandlungen in der Regel schwerwiegender als die ursprünglichen Beschwerden, werden aber in der durchaus realistischen Hoffnung auf eine Heilung oder zumindest auf eine wesentliche Verzögerung des Krankheitsverlaufes in Kauf genommen und ertragen.

Erfüllt sich diese Hoffnung nicht, treten die vom Krebs verursachten Beschwerden und Behinderungen in den Vordergrund und führen über kurze Zeit zu einer oft dramatischen Verschlechterung der Lebensqualität.

Spätestens hier ist das spezielle Wissen der Palliativmedizin für eine gute Behandlung notwendig. Allerdings steht die Palliativmedizin auch für eine besondere ärztliche Haltung, die die Autonomie des Patienten im Krankheitsprozess nicht nur respektiert sondern auch aktiv fördert und als wesentliche Komponente der menschlichen Würde anerkennt. Zudem ist sie von einer empathischen Grundhaltung geprägt. Diese palliativmedizinische, ärztliche Haltung ist bei jeder Erkrankung und auch in jedem Krankheitsstadium notwendig.

Was konkret tut Palliativmedizin?

Wichtigstes Behandlungsziel der Palliativmedizin ist es, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern und diese im weiteren Krankheitsverlauf zu stabilisieren. Es geht uns also weniger darum dem Leben Tage zu geben als vielmehr den verbleibenden Tagen Leben zu geben.

Die Einschränkungen der Lebensqualität von Krebspatienten sind sehr vielfältig und reichen von so klaren Beschwerden wie Schmerzen über weniger dramatische aber trotzdem sehr belastende Symptome wie Appetitlosigkeit bis hin zu mehr oder weniger ausgeprägten Einschränkungen der Mobilität und des Bewegungsumfanges.

Schmerzen

Viele dieser Beschwerden sind im Verlauf der Erkrankung schleichend aufgetreten, sind aber letztendlich so massiv, dass sie wirksam behandelt werden müssen. Dazu zählen vor allem Schmerzen, die oft zu lange ertragen werden. Mit den heute verfügbaren therapeutischen Maßnahmen können Schmerzen so wirksam gelindert werden, dass keine Einschränkung der Lebensqualität mehr spürbar ist. In der Regel ist dies mit Medikamenten möglich. Selten sind dazu so genannte invasive Verfahren notwendig, in denen einzelne Nervenstränge gezielt ausgeschaltet werden. Darüber hinaus können mit modernen Schmerzpumpen Patienten auch dann zu Hause erfolgreich gegen Schmerzen behandelt werden, wenn mit Tabletten alleine nicht mehr das Auslangen gefunden werden kann.

Atemnot

Auch Atemnot, ein häufiges Symptom bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen kann mit verschiedenen Maßnahmen, die von medikamentösen Therapien über die wirksame Behandlung von Wasser um die Lunge bis hin zu psychologischer Schulung im Umgang mit Atemnot führen, wirksam bekämpft werden.

Essstörungen

Besonderes Augenmerk schenkt die Palliativmedizin auch der Behandlung von Essstörungen, unter denen fast alle Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen leiden. Hier muss mit großem Wissen und großer Sorgfalt abgewogen werden, ob eine künstliche Ernährung in der gegebenen Situation sinnvoll und Erfolg versprechend ist, ob mit Nahrungsergänzungsmitteln das Auslangen gefunden werden kann oder ob überhaupt eine Änderung des durch die Erkrankung ausgelösten Mangels an Appetit angestrebt werden soll. Gerade bei fortgeschrittenen Erkrankungen ist dies oft nicht möglich und auch nicht sinnvoll, weil der Körper die in den Nahrungsmitteln enthaltene Energie nicht mehr aufnehmen und nicht mehr verarbeiten kann, selbst dann nicht, wenn sie über Infusionen gegeben wird.

Mobilitätsprobleme

Viele Beschwerden von Patienten betreffen den Bewegungsapparat und häufig besteht auch eine mehr oder weniger ausgeprägte körperliche Behinderung. Hier wird eine genaue physikalisch-medizinische Untersuchung durchgeführt, die die entscheidenden Probleme erkennt und entsprechende Lösungen erarbeitet, die von klassischen physikalischen Therapiemaßnahmen wie Massage oder Lymphdrainage bis hin zu orthopädischen Behelfen reichen. Ziel ist immer, die Mobilität unserer Patienten zu verbessern und möglichst lang zu erhalten, weil diese einen der wichtigsten Bestandteile einer guten Lebensqualität ausmacht.

Entlassung nach Hause

Schließlich kann das angestrebte Ziel einer Entlassung nach Hause nur dann erreicht werden, wenn eine ausreichende Betreuung zu Hause gewährleistet ist. Oft wird diese in aufopfernder Weise von Angehörigen geleistet. In Zusammenarbeit mit Sozialhelfern und anderen Berufsgruppen kann unter Ausschöpfung der dafür vorhandenen öffentlichen Unterstützungen in aller Regel eine Entlastung der familiären Betreuer und damit eine stabile Pflegesituation zu Hause erreicht werden, auch wenn diese von vorneherein als unmöglich erachtet wurde.

Palliativmedizin versteht sich auch als Betreuungskonzept und als Betreuungseinrichtung für die von der Krebserkrankung eines Familienmitgliedes in vielfacher Weise betroffenen übrigen Familienmitglieder. In Zusammenarbeit von Patient, Familie, Palliativstation und Hilfseinrichtungen außerhalb des Spitals kann eine optimale und lückenlose Betreuung von Palliativpatienten erreicht werden, die sich dann auch in einer guten und stabilen Lebensqualität trotz fortgeschrittener Krankheit niederschlägt.