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Hauptinhalte

Darmkrebs

Univ.-Prof. Dr. Werner Scheithauer

Universitätsklinik für Innere Medizin I - Medizinische Universität Wien
Klinische Abteilung für Onkologie

Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien

+43-1-404004445
+43-1-404004451

www.meduniwien.ac.at
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„Bei Darmkrebs handelt es sich um einen der weltweit am häufigsten auftretenden bösartigen Tumore, dessen Ausgangspunkt die Dickdarmschleimhaut ist. Seine Entstehung ist nicht hinreichend geklärt, erbliche Veranlagung sowie Dickdarmpolypen spielen eine wesentliche Rolle", betont Univ.-Prof. Werner Scheithauer.

Darmkrebs im Überblick

Was ist Darmkrebs?

Es handelt sich um einen der weltweit am häufigsten auftretenden bösartigen Tumore, dessen Ausgangspunkt die Dickdarmschleimhaut darstellt.

Wie Darmkrebs entsteht, ist noch immer nicht hinreichend geklärt. Wir wissen jedoch, dass rund 10 % aller Tumoren familiär, d. h. auf Basis einer genetischen Veranlagung auftreten. Die übrigen 90 % der Tumoren entstehen sporadisch (d.h. ohne genetische Veranlagung) und zwar nicht in der gesunden Dickdarmschleimhaut, sondern meist über einen Zeitraum von mehreren Jahren über Dickdarmpolypen (Adenom-Karzinom-Sequenz). Folgende Faktoren werden dafür als prädisponierend (wegbereitend) erachtet:

  • Lebensalter über 50 Jahre
  • Ungesunde Ernährung (fettreiche, ballaststoffarme Kost, wenig Obst & Gemüse)
  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht
  • Rauchen und Alkoholkonsum

Ein konkret erhöhtes Risiko für die Entstehung von Dickdarmkrebs besteht bei:

  • Dickdarmpolypen, wobei das tatsächliche Krebsrisiko jedoch wesentlich von der Größe und Art/Wuchsform des Polypen abhängt
  • Familiärer Belastung (etwa dreifach erhöhtes Risiko bei Darmkrebserkrankung eines Verwandten ersten Grades)
  • Langfristig bestehenden chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
  • Typ 2-Diabetes (Blutzuckererkrankung); vermutlich bedingt durch die wachstumsfördernde Wirkung des Insulins, besteht in Relation zur Normalbevölkerung ein dreifach erhöhtes Risiko für Darmkrebs
  • Zustand nach Darmkrebsoperation
  • Genetischer Prädisposition (seltene erbliche Syndrome, die ein extrem hohes Erkrankungsrisiko implizieren: z.B.familiäre adenomatöse Polypose)

Epidemiologische Zahlen

Darmkrebs zählt weltweit zu den häufigsten bösartigen Tumorerkrankungen. Die Anzahl der jährlichen Neuerkrankungen beträgt allein in Europa 376.400. Dies entspricht 13 % aller Krebserkrankungen. 203.700 Menschen sterben daran. Das Lebenszeitrisiko an Dickdarmkrebs zu erkranken, beträgt in den westlichen Industrienationen, so auch in Österreich, rund 6 %. Die Wahrscheinlichkeit an diesem Tumor zu sterben liegt be 2,5-3 %. Frauen und Männer sind davon gleichermaßen betroffen. Das Erkrankungsrisiko steigt signifikant ab dem 45. Lebensjahr; 70 % aller Fälle werden im Alter zwischen 50 und 80 Jahren diagnostiziert. Diese Zahlen sollten insoferne zu denken geben, da Darmkrebs – im Gegensatz zu Lungenkrebs - durch Früherkennung fast vollständig verhindert bzw. geheilt werden kann.

Vorsorge

Durch Optimierung der Lebensweise inklusive Ernährungsgewohnheiten kann man aktiv etwas gegen die Entstehung von zahlreichen Erkrankungen, so auch von Darmkrebs tun. Konkret kann das Erkrankungsrisiko durch folgende Maßnahmen erheblich reduziert werden:

  • ausgewogene Kost, d. h. fettarme, eher fleischarme, ballaststoffreiche Kost, ausreichend Obst und Gemüse
  • regelmäßige sportliche Betätigung
  • Vermeidung von Übergewicht
  • Nikotinabstinenz sowie nur mäßigen Konsum von alkoholischen Getränken

Es gibt Hinweise, dass durch langfristige, regelmäßige Einnahme von niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (Aspirin) bestimmte Entzündungshemmer (Cox-2 Inhibitoren) und Folsäureergänzungen (> 400 mcg/Tag) die Häufigkeit des sporadischen Dickdarmkarzinoms gesenkt werden kann. Eine generelle Empfehlung kann aufgrund der heutigen Datenlage (u.a. aufgrund von möglichen Nebenwirkungen) dennoch nicht gegeben werden.

Früherkennung

Mit Hilfe regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen kann die Erkrankung frühzeitig mit besseren Heilungschancen erkannt werden. Eine wichtige Aufgabe der Vorsorge ist es auch, die Vorstufen von Darmkrebs (Darmpolypen) zu entdecken, denn durch deren Abtragung kann die Krebsentstehung letztlich verhindert werden. Konkret werden (1) jährliche Stuhluntersuchungen auf okkultes (nicht sichtbares) Blut und (2) eine Darmspiegelung (Kolonoskopie) ab dem 50. Lebensjahr (alle fünf bis sieben Jahre) empfohlen. Eine virtuelle Darmspiegelung (CT-Colographie) oder eine röntgenologische Kontrastmitteldarstellung des Darmes (Irrigoskopie) kann diese Untersuchung ersetzen, falls eine Darmspiegelung abgelehnt wird oder technisch bedingt nur unvollständig möglich war. Vorsorge und Früherkennung spielen insbesondere bei Menschen mit einem erhöhten Risiko (familiäres Risiko, chronisch entzündliche Darmerkrankungen) eine Rolle, wobei entsprechende Vorsorgeuntersuchungen schon im jüngeren Lebensalter empfohlen werden.

Symptome

Dickdarmkrebs besteht meist sehr lange ohne Beschwerden zu verursachen. Zu den meist uncharakteristischen Frühsymptomen zählen:

  • Länger anhaltende Stuhlunregelmässigkeiten, d.h. Verstopfung und/oder Durchfall
  • Blutbeimengungen im Stuhl
  • Bauchschmerzen
  • Müdigkeit/Abgeschlagenheit (infolge Blutarmut durch chronische Darmblutungen)
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, wobei diese Symptome jedoch eher selten und meist nur bei Befall der oberen Darmabschnitte auftreten